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Ein paar Worte zur Geschichte...

 
 

 

In Gudendorf ist eins der vielen Massengräber in Deutschland. Die gegenwärtige Geschichtsschreibung geht davon aus, dass während des zweiten Weltkrieges 5,4 Millionen Angehörige der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, von denen mindestens drei Millionen Menschen qualvoll zu Tode kamen.

Der heutige Ehrenfriedhof, der sich in einem aufgeforsteten Dünengelände befindet, verdankt seine Entstehung einer Initiative des Kreises Süderdithmarschen, die die Schaffung einer „tatsächlichen Ehrenstätte“ anregte. Die gärtnerische und landschaftsplanerische Gestaltung vollzog Hans-Erik Brodersen. Die gleichmäßig großen, linienförmigen Flächen deuten Grabfelder an. Das erste wurde leer gelassen und weist auf die zunächst unbekannten toten Soldaten hin, die in dem Dünengelände vergraben wurden. In den beiden anderen Feldern liegen 248 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die nach dem Krieg von anderen Friedhöfen der Umgebung nach Gudendorf umgebettet wurden.

Das Ehrenmal schuf der Bildhauer Siegfried Assmann aus Großhansdorf (Kreis Stormarn). Es wurde im Frühjahr 1961 fertig gestellt. In die 11 Meter hohe Stele wurde die Figur des Fährmanns Charon aus der griechischen Mythologie eingearbeitet, der die Seelen der Verstorbenen über den Grenzfluss Acheron zur Unterwelt rudert. Die Fahrtrichtung des Bootes führt direkt auf die Besucher zu, wenn sie sich dem Mahnmal nähern.

In Gudendorf wurde bald nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Auf der Fläche von rund einem Hektar standen an der heutigen Schulstraße Baracken, in denen die sowjetischen Kriegsgefangenen untergebracht waren. Das Lager gehörte zum STALAG (Stammlager) XA Schleswig. Außerdem wurden an der Straße nach St. Michaelisdonn in der Nähe von Hindorf Baracken aufgestellt, die als Krankenrevier dienen sollten. Der Volksmund gab ihnen den Namen „Seuchenbaracken“. Ursprünglich waren sie für polnische und sowjetische Kriegsgefangene gedacht, unter denen wegen der unzureichenden hygienischen Zustände Fleckfieber ausgebrochen war. In der Krankenstation taten eine russische Ärztin und eine russische Apothekerin Dienst. Dramatisch verschlechterte sich die Situation durch Verlegung des erweiterten Krankenreviers des Stammlagers XA von  Heidkaten bei Kaltenkirchen nach Gudendorf im April 1944.

Anzunehmen ist, dass der größte Teil der im Gudendorfer Massengrab liegenden Toten aus dem „Krankenrevier“ stammte.  Unter Bruch geltenden internationalen Rechts und unter Missachtung jeder Humanität wurden sie Opfer der NS-Vernichtungspolitik. Überall in Deutschland gab  es diese Massengräber. Das größte findet sich in Stukenbrock in Ost-Westfalen. Hier muss von einer fünfstelligen Zahl an Opfern ausgegangen werden.

 

 

                                                                                                 G.Wilke

 
 

Ein Einzelschicksal:

 ► Das kurze Leben des Marko Bowenko